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von Hannes Vogt „Das schönste
Gotteshaus auf Erden
War steht’s für mich der grüne Wald.
Kein Dom und keine Kathedrale
Gibt so wie er den Menschen Halt!
So feierlich ist seine Stille,
in dürren Wipfeln rauscht der Wind.
Das Lied vom Werden und Vergehen.
Im Wald ich immer Andacht find...“
Hallo!
Marschiert man Nachts durch den dunklen Wald kann man nur
wenig erkennen. Unbekannte Gegenden können dann zu
tückischen Labyrinthen werden. Verliert man die
Orientierung, verlässt man unbewusst den Weg, auf dem man
geht, kann die Nacht einem übel zusetzten. Man verirrt sich.
Aber sie hat auch ihre Reize, die Nacht. Setzt man sich nur
einmal alleine in der Dunkelheit auf einen Baumstamm wartet
dort seine Zeit ab, kann man doch so einiges hören, was
einem tagsüber gar nicht weiter auffällt. Da wird einem ein
wahres Konzert präsentiert, aus den vielen kleinen,
unscheinbaren Geräuschen. Da knackt es, hinter einem Hügel
raschelt es. Dort hoppelt ein Feldhase am Waldrand entlang
und sorgt für einen dumpfen Bass. Ein Schwarm von Tauben
schwingt sich aus dem Blätterdach einer Eiche in die Luft
und bringt das Geäst ins Schwingen. Der Wind setzt ein und
die großen Kiefern fangen an zu knarren. Rehe flitzen durchs
Unterholz, es kracht und knallt. Unzählige Töne und Klänge
Nachts im Wald, sie hat halt auch ihre Reize – die Nacht.
Geht das Jahr jedoch dem Ende zu, weicht der Tag früher als
sonst der Nacht und scheinen die Sterne klar auf den sonst,
durch das Blätterdach, geschützten Waldboden kommt der
Winter und hüllt alles in eine unbeschreibliche Stille.
Da knackt es nur noch selten im Unterholz, es ist kein Laub
mehr auf den Bäumen, was hätte rauschen können. All´ die
Tiere suchen sich Schutz in ihren Bauten und Höhlen,
Vögelschwärme brechen Richtung Süden auf und es wird ruhig
im Wald.
Höchstens auf den Weihnachtsmärkten lassen sich zu dieser
Jahreszeit auch noch Menschen sehen, viele verkriechen sich
zu Hause auf dem Sofa unter der geliebten Wolldecke. Zu groß
ist die Scheu vor dem „ungemütlichen“ Wetter.
Für uns Nordmarker bricht hingegen dann die Zeit an, wo noch
mal so richtig aufgedreht wird. Die Bundesweihnachtsfahrt
steht an und hier braucht man wohl alles, aber keine
Faulenzer auf dem Sofa, mit ihren Wolldecken.
Hier benötigt man tatendurstige, vollstes motivierte
Menschen, die zum Jahresende noch mal richtig einen reißen
wollen. Das geht, wie die Meisten wohl wissen, in Ristedt
doch sehr gut...
Aus diesem Grunde führte uns unsere Weihnachtsfahrt 2006
auch an diesen Ort. Ristedt, nahe bei Syke, versteckt hinter
dem Ortsschild, direkt hinter der ersten langen Linkskurve
einen alten, roten Backsteinbau – Das „Schullandheim Ristedt“.
Umgeben von tiefen Wäldern bietet es eine zweifellos
perfekte Kulisse, für solche Bundesaktionen.
Am Freitag ging es los. Bis zum Abend waren alle 4 Stämme
angereist.
Insgesamt gut 80 Wölflinge, Sipplinge und ihre Gruppen- und
Stammesleiter bevölkerten mittlerweile den soliden Bau.
Da wurden Schlafsäcke ausgerollt, das Abendessen
zusammengebrutzelt, die Banner, Kerzen und Felle in Position
gebracht und hier und da erklang schon nach kurzer Zeit die
erste Gitarre. Bis zum gemeinsamen Essen war das
Schullandheim „pfadfindertypisch“ und somit stilecht
eingerichtet.
Der Freitag bot Gelegenheit, für all´ die, die das Gebäude
noch nicht kannten, es kennen zu lernen und nach einem
schmackhaften Abendessen – Stamm Ganderik sorgte für
reichlich Nudeln mit deftiger Soße - in einer geselligen
Singerunde gemeinsam Lieder zu Singen und alte und neue
Bekannte zu treffen.
Vor allem aber freute man sich gemeinsam auf den nächsten
Tag, den Samstag, der ein durchaus abwechslungsreiches
Programm bieten würde und am allermeisten waren sicherlich
die ganzen Wölflinge der Unruhe ausgesetzt, die die
Vorfreude auf Geländespiel, AGs und Co formulierte.
Man stand Samstag früh auf. Um 08.30 Uhr stand das Frühstück
bereit. Stamm Walhall bot eine Auswahl an Kelloggs-Produkten
in Kombination mit frischen Brötchen und Aufschnitt.
Wahlweise gab es Tee und/oder Bohnenkaffe. Der Tag begann
viel versprechend.
Nach dem gemeinsamen Frühstück begab sich die abenteuerliche
Gesellschaft, warm angezogen, Richtung Wald. Dort endete der
„Morgenspaziergang“ in einer Sandkuhle.
Ein Kreis wurde gebildet und es stellten sich die durchaus
untypischen Charaktere für das Geländespiel vor.
„Wolle“ der Müllmann, „Herr Wichtig“ der Gerichtsvollzieher,
der werte Herr vom Bauamt, der Mann von der örtlichen
Polizeibehörde gemeinsam mit seinen Kolleginnen vom
zuständigen Umweltschutzamt, inklusive der strengen Dame vom
Ordnungsamt. Alle waren sie gekommen und selbst die
Vertretung des Forstamtes war samt Schusswaffe und Jagdhund
präsent.
Das Geländespiel drehte sich um einen Wahn von Bürokratie.
Jede der vier Gruppen musste innerhalb von möglichst wenig
Zeit ein Haus (= Kothe) errichten und alle dafür notwendigen
Bauanträge ausfüllen, Müllgebühren begleichen und Angaben zu
den „Entsorgungsmaßnahmen von Sondermüll“ machen.
Unbeglichene Rechnungen wurden vom Herrn mit dem
Aktenkoffer, dem Herrn Wichtig - Gerichtsvollzieher
eingeholt. Das Ordnungsamt samt Polizeibehörde sorgte für
reibungslose Abläufe. Verzweiflung machte sich breit, wenn
der Ort an dem die Kothe stehen sollte von Behördenstellen
als „unzulässig“ quittiert wurde. Alles was man für sein
Haus benötigte erhielt man im geländespieleigenden
Supermarkt. Nur hatte man versehentlich ein „elektronisches“
Gerät in diesem Laden erworben war der Ärger mit der GEZ
schon vorprogrammiert, mit viel Pech hatte man nicht einmal
Zahlungsmöglichkeiten, um hohe Strafen zu begleichen.
Das Spiel forderte Wohl eine unbeschreibliche Geduld der
Gruppen ab. Irgendwann, nach langer Zeit, stand dort die
erste Kothe - genehmigt von allen Behördenstellen. Da hatte
es eine Gruppe geschafft und die Freude über diesen, im
Endeffekt doch so simplen, Aufbau einer Kothe war doch sehr
groß.
Es ging zurück zum Schullandheim. Das Mittagessen war nach
einer kurzen Pause auf dem Tisch und Stamm Roland bot den
hungrigen Mäulern Hackbraten mit Soße und Gemüse.
Anschließend konnte sich jeder in einer passenden AG
anmelden, die nach einer kleinen Tee und Kaffeepause
starteten.
Da konnte man Schneemänner bauen, Papier schöpfen,
Weihnachtsgestecke basteln, kleine Gitarren und große
Trommeln herstellen, Torten schmieren, Entspannungstherapien
genießen, Frühstücksbretter mit dem Lötkolben bearbeiten,
Zinn gießen und vieles, vieles mehr...
Bis zum Abend kam man kaum zum Luft holen. Doch dann nach
jeder Menge schöner AGs, gab es das Abendessen und
anschließend fand man sich zum Abendprogramm wieder. Jeder
Stamm hatte etwas vorbereitet. Fotos von Sommerfahrten
wurden präsentiert, ein kleiner, selbst geschnittener Film
vom Handwerkerwochenende 2006 wurde gezeigt und auch ein
durchaus aktivitätsbetontes Spiel wurde bestritten.
Spät am Abend ging es zur Aufnahmefeier, wo 80 Wölflinge,
Sipplinge und ihre Gruppen- und Stammesleiter, im
Feuerschein, auf einmal eine atemberaubende Stille boten
sodass nur das Knacken des feuers die Stille der Nacht
durchbrach...
Nach der Wiederankunft im roten Backsteinbau gab es noch
eine kleine Singerunde, bis jeder, nach und nach, den Weg zu
seinem Schlafplatz auf sich nahm.
Der Sonntag bot gegen 09.00 Uhr ein reichliches Frühstück.
Es gab frische Brötchen, Aufschnitt, Eier, Kaffe und/oder
Tee – Stamm Ganderik hatte aufgetischt...
Man begann anschließend mit dem Projekt „Wie kriegen wir die
Hütte wieder sauber“.
Der gemeinsame Abschlusskreis beendete die
Bundesweihnachtsfahrt 2006, im Schulland-heim Ristedt.
Bis zum Nächsten Mal und Herzlich Gut Pfad
Hannes
„...Wenn du einen Fisch fangen willst, musst du einen
Köder an den Harken hängen, den der Fisch mag...“
(Lord Baden Powell)
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