Fahrtenbericht zur Weihnachtsfahrt 2006

von Hannes Vogt

„Das schönste Gotteshaus auf Erden
War steht’s für mich der grüne Wald.
Kein Dom und keine Kathedrale
Gibt so wie er den Menschen Halt!
So feierlich ist seine Stille,
in dürren Wipfeln rauscht der Wind.
Das Lied vom Werden und Vergehen.
Im Wald ich immer Andacht find...“



Hallo!

Marschiert man Nachts durch den dunklen Wald kann man nur wenig erkennen. Unbekannte Gegenden können dann zu tückischen Labyrinthen werden. Verliert man die Orientierung, verlässt man unbewusst den Weg, auf dem man geht, kann die Nacht einem übel zusetzten. Man verirrt sich.

Aber sie hat auch ihre Reize, die Nacht. Setzt man sich nur einmal alleine in der Dunkelheit auf einen Baumstamm wartet dort seine Zeit ab, kann man doch so einiges hören, was einem tagsüber gar nicht weiter auffällt. Da wird einem ein wahres Konzert präsentiert, aus den vielen kleinen, unscheinbaren Geräuschen. Da knackt es, hinter einem Hügel raschelt es. Dort hoppelt ein Feldhase am Waldrand entlang und sorgt für einen dumpfen Bass. Ein Schwarm von Tauben schwingt sich aus dem Blätterdach einer Eiche in die Luft und bringt das Geäst ins Schwingen. Der Wind setzt ein und die großen Kiefern fangen an zu knarren. Rehe flitzen durchs Unterholz, es kracht und knallt. Unzählige Töne und Klänge Nachts im Wald, sie hat halt auch ihre Reize – die Nacht.

Geht das Jahr jedoch dem Ende zu, weicht der Tag früher als sonst der Nacht und scheinen die Sterne klar auf den sonst, durch das Blätterdach, geschützten Waldboden kommt der Winter und hüllt alles in eine unbeschreibliche Stille.
Da knackt es nur noch selten im Unterholz, es ist kein Laub mehr auf den Bäumen, was hätte rauschen können. All´ die Tiere suchen sich Schutz in ihren Bauten und Höhlen, Vögelschwärme brechen Richtung Süden auf und es wird ruhig im Wald.

Höchstens auf den Weihnachtsmärkten lassen sich zu dieser Jahreszeit auch noch Menschen sehen, viele verkriechen sich zu Hause auf dem Sofa unter der geliebten Wolldecke. Zu groß ist die Scheu vor dem „ungemütlichen“ Wetter.

Für uns Nordmarker bricht hingegen dann die Zeit an, wo noch mal so richtig aufgedreht wird. Die Bundesweihnachtsfahrt steht an und hier braucht man wohl alles, aber keine Faulenzer auf dem Sofa, mit ihren Wolldecken.

Hier benötigt man tatendurstige, vollstes motivierte Menschen, die zum Jahresende noch mal richtig einen reißen wollen. Das geht, wie die Meisten wohl wissen, in Ristedt doch sehr gut...

Aus diesem Grunde führte uns unsere Weihnachtsfahrt 2006 auch an diesen Ort. Ristedt, nahe bei Syke, versteckt hinter dem Ortsschild, direkt hinter der ersten langen Linkskurve einen alten, roten Backsteinbau – Das „Schullandheim Ristedt“.
Umgeben von tiefen Wäldern bietet es eine zweifellos perfekte Kulisse, für solche Bundesaktionen.

Am Freitag ging es los. Bis zum Abend waren alle 4 Stämme angereist.
Insgesamt gut 80 Wölflinge, Sipplinge und ihre Gruppen- und Stammesleiter bevölkerten mittlerweile den soliden Bau.
Da wurden Schlafsäcke ausgerollt, das Abendessen zusammengebrutzelt, die Banner, Kerzen und Felle in Position gebracht und hier und da erklang schon nach kurzer Zeit die erste Gitarre. Bis zum gemeinsamen Essen war das Schullandheim „pfadfindertypisch“ und somit stilecht eingerichtet.
Der Freitag bot Gelegenheit, für all´ die, die das Gebäude noch nicht kannten, es kennen zu lernen und nach einem schmackhaften Abendessen – Stamm Ganderik sorgte für reichlich Nudeln mit deftiger Soße - in einer geselligen Singerunde gemeinsam Lieder zu Singen und alte und neue Bekannte zu treffen.
Vor allem aber freute man sich gemeinsam auf den nächsten Tag, den Samstag, der ein durchaus abwechslungsreiches Programm bieten würde und am allermeisten waren sicherlich die ganzen Wölflinge der Unruhe ausgesetzt, die die Vorfreude auf Geländespiel, AGs und Co formulierte.

Man stand Samstag früh auf. Um 08.30 Uhr stand das Frühstück bereit. Stamm Walhall bot eine Auswahl an Kelloggs-Produkten in Kombination mit frischen Brötchen und Aufschnitt. Wahlweise gab es Tee und/oder Bohnenkaffe. Der Tag begann viel versprechend.

Nach dem gemeinsamen Frühstück begab sich die abenteuerliche Gesellschaft, warm angezogen, Richtung Wald. Dort endete der „Morgenspaziergang“ in einer Sandkuhle.
Ein Kreis wurde gebildet und es stellten sich die durchaus untypischen Charaktere für das Geländespiel vor.
„Wolle“ der Müllmann, „Herr Wichtig“ der Gerichtsvollzieher, der werte Herr vom Bauamt, der Mann von der örtlichen Polizeibehörde gemeinsam mit seinen Kolleginnen vom zuständigen Umweltschutzamt, inklusive der strengen Dame vom Ordnungsamt. Alle waren sie gekommen und selbst die Vertretung des Forstamtes war samt Schusswaffe und Jagdhund präsent.
Das Geländespiel drehte sich um einen Wahn von Bürokratie. Jede der vier Gruppen musste innerhalb von möglichst wenig Zeit ein Haus (= Kothe) errichten und alle dafür notwendigen Bauanträge ausfüllen, Müllgebühren begleichen und Angaben zu den „Entsorgungsmaßnahmen von Sondermüll“ machen. Unbeglichene Rechnungen wurden vom Herrn mit dem Aktenkoffer, dem Herrn Wichtig - Gerichtsvollzieher eingeholt. Das Ordnungsamt samt Polizeibehörde sorgte für reibungslose Abläufe. Verzweiflung machte sich breit, wenn der Ort an dem die Kothe stehen sollte von Behördenstellen als „unzulässig“ quittiert wurde. Alles was man für sein Haus benötigte erhielt man im geländespieleigenden Supermarkt. Nur hatte man versehentlich ein „elektronisches“ Gerät in diesem Laden erworben war der Ärger mit der GEZ schon vorprogrammiert, mit viel Pech hatte man nicht einmal Zahlungsmöglichkeiten, um hohe Strafen zu begleichen.

Das Spiel forderte Wohl eine unbeschreibliche Geduld der Gruppen ab. Irgendwann, nach langer Zeit, stand dort die erste Kothe - genehmigt von allen Behördenstellen. Da hatte es eine Gruppe geschafft und die Freude über diesen, im Endeffekt doch so simplen, Aufbau einer Kothe war doch sehr groß.

Es ging zurück zum Schullandheim. Das Mittagessen war nach einer kurzen Pause auf dem Tisch und Stamm Roland bot den hungrigen Mäulern Hackbraten mit Soße und Gemüse.

Anschließend konnte sich jeder in einer passenden AG anmelden, die nach einer kleinen Tee und Kaffeepause starteten.
Da konnte man Schneemänner bauen, Papier schöpfen, Weihnachtsgestecke basteln, kleine Gitarren und große Trommeln herstellen, Torten schmieren, Entspannungstherapien genießen, Frühstücksbretter mit dem Lötkolben bearbeiten, Zinn gießen und vieles, vieles mehr...

Bis zum Abend kam man kaum zum Luft holen. Doch dann nach jeder Menge schöner AGs, gab es das Abendessen und anschließend fand man sich zum Abendprogramm wieder. Jeder Stamm hatte etwas vorbereitet. Fotos von Sommerfahrten wurden präsentiert, ein kleiner, selbst geschnittener Film vom Handwerkerwochenende 2006 wurde gezeigt und auch ein durchaus aktivitätsbetontes Spiel wurde bestritten.

Spät am Abend ging es zur Aufnahmefeier, wo 80 Wölflinge, Sipplinge und ihre Gruppen- und Stammesleiter, im Feuerschein, auf einmal eine atemberaubende Stille boten sodass nur das Knacken des feuers die Stille der Nacht durchbrach...

Nach der Wiederankunft im roten Backsteinbau gab es noch eine kleine Singerunde, bis jeder, nach und nach, den Weg zu seinem Schlafplatz auf sich nahm.

Der Sonntag bot gegen 09.00 Uhr ein reichliches Frühstück. Es gab frische Brötchen, Aufschnitt, Eier, Kaffe und/oder Tee – Stamm Ganderik hatte aufgetischt...

Man begann anschließend mit dem Projekt „Wie kriegen wir die Hütte wieder sauber“.

Der gemeinsame Abschlusskreis beendete die Bundesweihnachtsfahrt 2006, im Schulland-heim Ristedt.

Bis zum Nächsten Mal und Herzlich Gut Pfad
Hannes



„...Wenn du einen Fisch fangen willst, musst du einen Köder an den Harken hängen, den der Fisch mag...“

(Lord Baden Powell)