Fahrtenbericht zum Handwerkerwochenende 2006 in Birkenheide

Von Hannes Vogt

Hallo!

Wenn die Tage kürzer, die Nächte länger und rauer werden und Hochnebel die Felder und Wiesen überzieht, dann ist er da – der Herbst.
Eine Jahreszeit umgibt uns dann, die mit ihrer Vielfältigkeit beeindruckt. Laub in allen Farben und das Wetter in allen Launen.
Vielfältig geht es auch seit Jahren zu dieser Zeit in Birkenheide auf dem Lagerplatz des Stamm Ganderik der Pfadfinderschaft Nordmark zu, nämlich dann wenn sich im November eine Scharr von Pfadfindern mit frisch geschliffenen und geölten Werkzeugen dort treffen, um gemeinsam Wind und Wetter zu trotzen um zusammen zu werken, zu basteln, große und kleine Projekte zu verwirklichen.
Das Holz- und Handwerkerwochende lockt mit seiner jahrelangen Tradition – so auch dieses Jahr und auch wenn der deutsche Rundfunk noch so vor dem „schlechten“ Wetter warnt - pünktlich am Freitag werden wieder einmal die schwarzen Bahnen geknüpft , die Heringe und Banner in den weichen Waldboden gerammt...
Bis zur Anreise aller Bünde werden Zelte aufgebaut, Feuer entzündet, die Gitarre gestimmt und das gemeinsame Essen vorbereitet. Letztlich schallt am späten Abend der Essenssruch über den von Fackeln und Petroleumlamen leicht erhellten Lagerplatz und eine heiße Hühnersuppe in geselliger Runde wärmt und schürrt die Freude auf das, was noch kommen wird. Fließend geht es vom Essen in einen gemütlichen Jurtenabend über. Da schallen die Lieder und die Melodien der Gitarren laut durch den längst pechschwarzen Wald.

Erst am nächsten Morgen, bei der gemeinsamen Morgenrunde, sieht man wer wirklich so alles angereist ist. Eine beachtliche Teilnehmerzahl und ein buntes AG Programm stellt sich vor.
Beim AG-Programm ist für jeden etwas dabei. Es gibt AGs in denen einige selbst Papier herstellen und bemalen können, es sollen Spiritus-Kocher gebaut, Torten für den Abend geformt und Apfelsaft gepresst werden. Wanderstöcke können geschnitzt, Halstuchkoten gebunden und auch Bombillas bemalt werden. Auch eine große Wippe soll mit einer Gruppe errichtet werden.
Da fällt die Auswahl vielen nicht gleich einfach. Einige schlendern über den Platz, gucken mal hier und dann wieder dort. Am Ende ist jeder glücklicher Teilnehmer einer passenden Gruppe.
Bis zum Mittag geht es in großen Schritten voran. Dort erklingt der Rührbesen für die Tortenfüllung, am anderen Ende hört man blanke Fahrtenmesser, die gemeinsam mit ihrem Besitzer Hölzer zu geschwungenen Wanderstöcken formen. Geht man über einen Hügel hört man Kinder mit Papier matschen, an anderer Stelle schmilzt Wachs über dem Feuer, um später mit Jute zu Fackeln weiter verarbeitet zu werden. Das Treiben ist groß und das es auch ebenso kreativ ist wird klar, begutachtet man die vielen bunten und fein bemalten Halstuchknochen. Wer sich der Feinmotorik nicht unterordnen kann, den findet man hingegen dort wo die Motoren des Deutz Treckers, der Kettensägen und das Klopfen und Hämmern schwerer Werkzeuge durch den Wald schallt. Dort wo die AG „Wippe bauen“ ihre Teilnehmer bündelt, ist eher das grobe Handwerk vorherrschend. Da werden Baumstämme über die Wege geschleift, später entrindet, Gruben ausgehoben und Zement gerührt.

Bunt und vielfältig wie der Herbst - das Handwerkerwochenende.

Gegen Mittag wird gekocht – gruppenintern. Die einen setzen den Hordentopf aufs Feuer, bei den anderen gibt es Kaltverpflegung. Gemütlich geht es wohl überlall gleichermaßen zu und wirklich jeder nutzt die freie Zeit für einen heißen Tee, ist das Wetter doch leicht ungemütlich.

Eine gemeinsame Zusammenkunft und Lagebesprechung unterbricht die Mittagspause und es wird das weitere Programm vorgestellt. In einigen AGs wird ein Teilnehmerwechsel angekündigt, in anderen Gruppen läuft es wie am Vormittag, d.h. mit gleicher Besetzung, weiter.

Und so steht dem Werken und Basteln auch am bis zum Abend nichts im Wege. Teilweise bis zum Sonnenuntergang geht es in den AGs rund.

Am Abend werden dann frische Torten in allen nur denkbaren Geschmäckern und heißer, selbst gepresster Apfelsaft, zum Jurtenabend, serviert. Beste Voraussetzungen für einen langen, bunten Abend am heißen Lagerfeuer und stimmungsvoller Gitarrenmusik.
Bei soviel Spektakel vergeht die Zeit schneller, als es einem lieb ist und ehe man sich besinnt funkeln auch schon die ersten Sonnenstrahlen über die mächtigen Eichenwipfel und kündigen den nächsten und zugleich letzten Tag des Handwerkerwochenendes an – den Sonntag.

Am Sonntag soll man anne für sich ja ruhen, zu sich selbst finden und sich von der anstrengenden Woche erholen. Nicht aber im „Freistaat Birkenheide“ hier werden Gesetze noch selbst geschrieben und so beginnt der Morgen mit einem kleinen Fitnessprogramm. Da stehen junge Männer und Frauen im Trainingsanzug und Trillerpfeife bereit die dafür sorgen, dass dem noch ganz verschlafenen Publikum die frische Waldluft beim Joggen und dem körperlichen Belastungstest direkt in die Lunge gepresst wird.

Anschließend wird abgebaut. Kothen und Jurten werden gebündelt. Teppiche und Felle ausgeschlagen und innerhalb von nur kurzer Zeit verwandelt sich der Lagerplatz des Holz- und Handwerkerwochenendes 2006 wieder zurück in einer kleine Lichtung mitten im Wald. Der gemeinsame Abschlusskreis beendet das Spektakel endgültig.


Bis zum nächsten Mal in Birkenheide....