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Von Hannes Vogt
Hallo!
Wenn die Tage kürzer, die Nächte länger und rauer werden und
Hochnebel die Felder und Wiesen überzieht, dann ist er da –
der Herbst.
Eine Jahreszeit umgibt uns dann, die mit ihrer
Vielfältigkeit beeindruckt. Laub in allen Farben und das
Wetter in allen Launen.
Vielfältig geht es auch seit Jahren zu dieser Zeit in
Birkenheide auf dem Lagerplatz des Stamm Ganderik der
Pfadfinderschaft Nordmark zu, nämlich dann wenn sich im
November eine Scharr von Pfadfindern mit frisch
geschliffenen und geölten Werkzeugen dort treffen, um
gemeinsam Wind und Wetter zu trotzen um zusammen zu werken,
zu basteln, große und kleine Projekte zu verwirklichen.
Das Holz- und Handwerkerwochende lockt mit seiner
jahrelangen Tradition – so auch dieses Jahr und auch wenn
der deutsche Rundfunk noch so vor dem „schlechten“ Wetter
warnt - pünktlich am Freitag werden wieder einmal die
schwarzen Bahnen geknüpft , die Heringe und Banner in den
weichen Waldboden gerammt...
Bis zur Anreise aller Bünde werden Zelte aufgebaut, Feuer
entzündet, die Gitarre gestimmt und das gemeinsame Essen
vorbereitet. Letztlich schallt am späten Abend der
Essenssruch über den von Fackeln und Petroleumlamen leicht
erhellten Lagerplatz und eine heiße Hühnersuppe in
geselliger Runde wärmt und schürrt die Freude auf das, was
noch kommen wird. Fließend geht es vom Essen in einen
gemütlichen Jurtenabend über. Da schallen die Lieder und die
Melodien der Gitarren laut durch den längst pechschwarzen
Wald.
Erst am nächsten Morgen, bei der gemeinsamen Morgenrunde,
sieht man wer wirklich so alles angereist ist. Eine
beachtliche Teilnehmerzahl und ein buntes AG Programm stellt
sich vor.
Beim AG-Programm ist für jeden etwas dabei. Es gibt AGs in
denen einige selbst Papier herstellen und bemalen können, es
sollen Spiritus-Kocher gebaut, Torten für den Abend geformt
und Apfelsaft gepresst werden. Wanderstöcke können
geschnitzt, Halstuchkoten gebunden und auch Bombillas bemalt
werden. Auch eine große Wippe soll mit einer Gruppe
errichtet werden.
Da fällt die Auswahl vielen nicht gleich einfach. Einige
schlendern über den Platz, gucken mal hier und dann wieder
dort. Am Ende ist jeder glücklicher Teilnehmer einer
passenden Gruppe.
Bis zum Mittag geht es in großen Schritten voran. Dort
erklingt der Rührbesen für die Tortenfüllung, am anderen
Ende hört man blanke Fahrtenmesser, die gemeinsam mit ihrem
Besitzer Hölzer zu geschwungenen Wanderstöcken formen. Geht
man über einen Hügel hört man Kinder mit Papier matschen, an
anderer Stelle schmilzt Wachs über dem Feuer, um später mit
Jute zu Fackeln weiter verarbeitet zu werden. Das Treiben
ist groß und das es auch ebenso kreativ ist wird klar,
begutachtet man die vielen bunten und fein bemalten
Halstuchknochen. Wer sich der Feinmotorik nicht unterordnen
kann, den findet man hingegen dort wo die Motoren des Deutz
Treckers, der Kettensägen und das Klopfen und Hämmern
schwerer Werkzeuge durch den Wald schallt. Dort wo die AG
„Wippe bauen“ ihre Teilnehmer bündelt, ist eher das grobe
Handwerk vorherrschend. Da werden Baumstämme über die Wege
geschleift, später entrindet, Gruben ausgehoben und Zement
gerührt.
Bunt und vielfältig wie der Herbst - das
Handwerkerwochenende.
Gegen Mittag wird gekocht – gruppenintern. Die einen setzen
den Hordentopf aufs Feuer, bei den anderen gibt es
Kaltverpflegung. Gemütlich geht es wohl überlall
gleichermaßen zu und wirklich jeder nutzt die freie Zeit für
einen heißen Tee, ist das Wetter doch leicht ungemütlich.
Eine gemeinsame Zusammenkunft und Lagebesprechung
unterbricht die Mittagspause und es wird das weitere
Programm vorgestellt. In einigen AGs wird ein
Teilnehmerwechsel angekündigt, in anderen Gruppen läuft es
wie am Vormittag, d.h. mit gleicher Besetzung, weiter.
Und so steht dem Werken und Basteln auch am bis zum Abend
nichts im Wege. Teilweise bis zum Sonnenuntergang geht es in
den AGs rund.
Am Abend werden dann frische Torten in allen nur denkbaren
Geschmäckern und heißer, selbst gepresster Apfelsaft, zum
Jurtenabend, serviert. Beste Voraussetzungen für einen
langen, bunten Abend am heißen Lagerfeuer und
stimmungsvoller Gitarrenmusik.
Bei soviel Spektakel vergeht die Zeit schneller, als es
einem lieb ist und ehe man sich besinnt funkeln auch schon
die ersten Sonnenstrahlen über die mächtigen Eichenwipfel
und kündigen den nächsten und zugleich letzten Tag des
Handwerkerwochenendes an – den Sonntag.
Am Sonntag soll man anne für sich ja ruhen, zu sich selbst
finden und sich von der anstrengenden Woche erholen. Nicht
aber im „Freistaat Birkenheide“ hier werden Gesetze noch
selbst geschrieben und so beginnt der Morgen mit einem
kleinen Fitnessprogramm. Da stehen junge Männer und Frauen
im Trainingsanzug und Trillerpfeife bereit die dafür sorgen,
dass dem noch ganz verschlafenen Publikum die frische
Waldluft beim Joggen und dem körperlichen Belastungstest
direkt in die Lunge gepresst wird.
Anschließend wird abgebaut. Kothen und Jurten werden
gebündelt. Teppiche und Felle ausgeschlagen und innerhalb
von nur kurzer Zeit verwandelt sich der Lagerplatz des Holz-
und Handwerkerwochenendes 2006 wieder zurück in einer kleine
Lichtung mitten im Wald. Der gemeinsame Abschlusskreis
beendet das Spektakel endgültig.
Bis zum nächsten Mal in Birkenheide.... |